Super-Review vom Ramtatta-Fanzine

„Es gab mal eine Zeit – die Älteren unter euch werden sich erinnern -, da gab es Tonträger, die nicht mit zwei oder drei Buchstaben abgekürzt wurden und einen gewissen Charme innehatten. In einer Zeit, wo die Gummistiefel noch aus Holz fahren, Worte wie „Google“ oder „Online-Banking“ noch völlig unbekannt waren oder noch Karlsquell-Pils getrunken wurde.
Wovon ich rede? Die Rede ist natürlich von Audio-Kassetten (erklärt mal einem Jüngeren, was „zurückspulen“ im Zeitalter von CD und DVD noch ist…) und den – zum Glück – noch heute sehr beliebten Vinyl-Platten.
Besonders über Letzteres habe ich mich gefreut, als endlich die Post von der Band „Mofabande“ ankam, die eine solche Schönheit in sich trug. Eine weitere Überraschung war, dass es sich um eine Split-Vinyl handelte, die auch noch die Band, „Bloodstains“, beinhaltete. Quasi doppelt gemoppelt.
Ein sehr schönes Zeichen, herzlichen Dank erst mal dafür!

Doch es geht noch weiter: Nicht nur der Tonträger ist aus längst vergangenen Tagen, auch die Musik ist es!
Ich muss zugeben, dass ich mich vor dem Eintreffen der Post ein wenig schlau gehorcht habe und am Anfang gar nicht begeistert war. Der recht kurze Einblick vermochte nur ewig gleiche Schlagzeugrhytmen, 3-Akkord-Gitarrenspiele und höchstens 1:30 lange Lieder zu prophezeien. Doch nun sitze ich hier und bin wirklich überrascht.
Es ist fast so, als ob man ein Stück Vergangenheit rausgenommen und in die jetzige Zeit gepackt hätte. Der Charme und der Stil wird im Gegensatz zu vielen anderen Möchtegern-Vertretern wirklich glaubwürdig verkörpert und man verspürt ganz spontan die Lust mit ein paar Freunden Bier trinkend in der Gegend rumzuhängen, bevor man, die Platte immer noch hörend, zum nächsten Konzert um die Ecke torkelt, um sich den Schmerz vom Leib zu tanzen. Ob nun vom Klang, vom Text oder von der Länge her: Hier gibt es Punkrock ganz alter Schule und vor allem vom Feinsten! Hier wird ganz simpel und ganz fix alles knick, knack auf den Punkt gebracht. Wie sagt man so schön dazu? „Ohne Kompromisse“!
Während die Jungs von „Bloodstains“ durchgehend in der englischen Sprache unterwegs sind – wenn man mal von der Cover-Version „Punk-HC“ (ursprünglich Mofabande) absieht -, machen es „Mofabande“ lieber auf Deutsch, mit Ausnahme des Liedes „Modern Thoughts“ (ursprünglich „Bloodstains“). Somit behalten sich die beiden Bands vor, trotz des ähnlichen Stiles, eine eigene Duftmarke zu versprühen und dabei doch das Selbe auszusagen: Punk rock’s!

Natürlich wird man diese Art von Musik niemals in den deutschen Charts, im Radio oder in schieren Massen bei Saturn, Media Markt und Co. vorfinden. Auch eine millionenschwere Zuhörer- und Fanmasse wird auf sich warten lassen müssen. Selbst der eingebaute Swimmingpool vor der eigenen Villa wird wohl doch eher durch ewig langes Sparen oder spitzfindigen Diebstahl zu erwerben sein.
Aber das ist egal: Hier spielen Herz und Seele gerne mit, lassen sich gerne mal baumeln und schwelgen in alten Erinnerungen, wo Punkrock noch genau so klang, wie man es gerade von dieser Platte aus hört. Man wird zwar kein „Superstar“ oder „sehr beannt“, aber ein „Lokal“- oder „Nostalgiehelden“-Dasein ist definitiv drin. Und das ist manchmal mehr wert, als alles andere.“

Quelle: Ramtatta

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